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... das meinte das 2. Vatikanische Konzil!

von Dr. Peter C. Düren, Augsburg am 31.10.2013

„Wir sind Kirche“ – das meint das Zweite Vatikanische Konzil, wenn es von der Gemeinschaft der noch auf Erden lebenden Gläubigen mit den schon vollendeten Heiligen im Himmel und den noch zu reinigenden Seelen im Fegfeuer spricht (vgl. LG 50). Denn Kirche – das sind nicht nur wir hier auf Erden, dazu gehören auch die in der Gnade Gottes Verstorbenen. Zwei besondere Tage zu Beginn des Monats November erinnern uns an diese unsichtbare Wirklichkeit, die tief im katholischen Glauben verankert ist.

 

Der sogenannte Totenmonat November fängt daher ganz und gar nicht traurig an. Vielmehr feiern wir am 1. November  das Hochfest Allerheiligen.  Um den Sinn dieses Tages besser zu verstehen, sollten wir vielleicht besser sagen: das „Hochfest aller Heiligen“. An diesem hohen Feiertag, den wir wie einen Sonntag begehen, und an dem wir in der heiligen Messe festlich das Gloria und das Credo singen oder sprechen, feiern wir die vollendeten Heiligen im Himmel. Zwar gibt es zahlreichen Heiligenfeiertage während des Kirchenjahres, doch an diesem Tag feiern wir alle jemals von der Kirche selig- und heiliggesprochen Menschen und darüber hinaus all jene, die ihr ewiges Ziel erreicht haben und bereits in der beseligenden Anschauung Gottes leben. Daher ist Allerheiligen ein wirklicher Festtag, den wir außer mit dem Messbesuch auch mit einem festlichen Essen begehen dürfen.

Einen ganz anderen Charakter hat hingegen „Allerseelen “, das am 2. November  begangen wird. Wir gedenken an diesem Tag all jener Seelen, die aus diesem Leben geschieden sind, aber weder bereits in der Anschauung Gottes sind noch ihr Ziel ewig verfehlt haben. Es handelt sich um die sogenannten „Armen Seelen“, die zwar in der heiligmachenden Gnade aus ihrem Leben geschieden sind und die daher auf jeden Fall in den Himmel kommen, bei denen aber noch die Strafen für ihre Sünden abzubüßen sind, bevor sie Gottes Antlitz schauen dürfen. Auch mit ihnen – vor allem mit unseren eigenen verstorbenen Verwandten – sind wir an diesem Tag verbunden. Daher besuchen wir die Familiengräber und beten für die Verstorbenen, damit sie rascher aus dem Ort der Reinigung (Purgatorium, Fegfeuer) befreit werden.

Die Kirche lädt uns ein, den Armen Seelen fürbittweise Ablässe zukommen zu lassen. Einen vollkommenen Ablass für die Verstorbenen, also die Nachlassung sämtlicher Sündenstrafen, gewinnt man, wenn man am Allerseelentag  (oder bereits am Vortag ab 12 Uhr) eine Kirche oder öffentliche Kapelle besucht und das Vaterunser betet sowie das Glaubensbekenntnis spricht. Alternativ kann man auch an den Tagen vom 1. bis 8. November  täglich einen vollkommenen Ablass für die Verstorbenen gewinnen, wenn man einen Friedhofsbesuch macht und dabei ein beliebiges Gebet für die Verstorbenen verrichtet. In jedem Fall gehört zur Gewinnung eines vollkommenen Ablasses der Kommunionempfang, die Beichte mit der Abkehr von jeglicher Sünde und ein Gebet in den Anliegen des Papstes. Fehlt eine dieser Bedingungen, so gewinnt man einen Teilablass, also einen teilweisen Nachlass der Sündenstrafen, der den Verstorbenen zugute kommt.

Eine weitere wichtige Hilfe für die Armen Seelen sind die Messen für Verstorbene.  Wer für einen Verstorbenen eine hl. Messe feiern lässt, sorgt dafür, dass die Gnade der heiligen Messe diesem Verstorbenen in besonderer Weise zufließt. Dies ist der Sinn der sogenannten "Messstipendien". An Allerseelen werden alle Priester gebeten, drei heilige Messen für die Verstorbenen zu feiern. Und an jedem Sonntag sind die Pfarrer verpflichtet, das hl. Messopfer für die Lebenden und Verstorbenen ihrer Pfarrei darzubringen.

Wichtiger als das Schmücken des Grabes an Allerseelen sind also aus katholischer Sicht das Gebet, der Ablass und die heilige Messe, mit denen wir unseren Verstorbenen tatsächlich wirksam helfen können.

Papst Franziskus sagte bei der Generalaudienz am vergangenen Mittwoch: "Schließlich reicht die Gemeinschaft der Heiligen bis ins Jenseits. Die auf Erden Lebenden bilden mit den Armen Seelen im Fegefeuer und mit den Heiligen im Paradies eine große Familie. Besonders die Feier von Allerheiligen und Allerseelen bringt die gegenseitige Solidarität und Hilfe dieser Gemeinschaft zum Ausdruck. Sie wird im Beten füreinander lebendig."

Wir sind Kirche: die Heiligen des Himmels, die Armen Seelen im Fegfeuer und wir Christgläubigen auf Erden.

Dr. Peter C. Düren
31.10.2013

Quelle: www.bistum-augsburg.de


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