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Ite ad Joseph - Geht zu Josef!

„Ite ad Joseph“ – „Geht zu Josef!

Wallfahrtskirche Kleinenberg Seitenaltar des hl. JosefNach einer Werktagsmesse in der Serviten-Kirche während meiner Freisemester 1987/1988 in Innsbruck fiel mein „Augenmerk“ auf das Bild des heiligen Josef. Über diesem Bild stand der lateinische Vers „Ite ad Joseph“ – „Geht zu Josef!“. Sicherlich hatte ich bis dahin diesen Vers schon dutzende male gelesen, aber an jenem Tag fiel er mir einfach auf und geht mir seitdem nicht mehr „aus dem Kopf“.

„Ite ad Joseph“ – „Geht zu Josef“ waren die Worte des Pharao an sein ägyptisches Volk während der Hungersnot (Gen 41,55). Unsere Kirche überträgt diese Wort auf den heiligen Josef, den Bräutigam der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria.

In seinem apostolischen Schreiben vom 8. Dezember 2020 erklärt Papst Franziskus die Übertragung vom Joseph, den Sohn Israels, auf Josef, den Bräutigam Mariens, mit den einfachen Worten: „Das Vertrauen des Volkes in den heiligen Josef ist in dem Ausdruck „Ite ad Joseph“ zusammengefasst, der sich auf die Zeit der Hungersnot in Ägypten bezieht, als das Volk den Pharao um Brot bat und er antwortete: »Geht zu Josef! Tut, was er euch sagt!« (Gen 41,55). Das war Josef, der Sohn Jakobs, der aus Neid von seinen Brüdern verkauft wurde (vgl. Gen 37,11-28) und der – nach der biblischen Erzählung – später Vizekönig von Ägypten wurde (vgl. Gen 41,41-44).“ (Patris corde 1)

Das päpstliche Schreiben „Patris corde“ und das Jahr des heiligen Josefs

Papst Franziskus hat mit dem Schreiben „Patris corde“ – „Mit väterlichem Herzen“ – an den 150. Jahrestages der Erhebung des hl. Josef zum Patron der katholischen Kirche durch den seligen Papst Pius IX. am 8. Dezember1870 erinnert. „Anlässlich des 150. Jahrestages … möchte ich daher – wie Jesus sagt –  »mit dem Mund von demsprechen, wovon das Herz überfließt« (vgl. Mt 12,34), und einige persönliche Überlegungen zu dieser außergewöhnlichen Gestalt mit euch teilen, die einem jeden von uns menschlich so nahe ist. Dieser Wunsch ist jetzt in den Monaten der Pandemie gereift.“ (Patris corde, Einleitung)

Gleichzeitig ruft Papst Franziskus ein Jahr des Glaubens aus, in dessen Mittelpunkt der hl. Josef steht. Dieses Josefsjahr, das vom 8. Dezember 2020 bis zum 8. Dezember 2021 dauert, ist auch verbunden mit der Gewährung besonderer Ablässe.

In sieben Kapitel seines Schreibens stellt Papst Franziskus uns den hl. Josef als ein besonderes Vorbild mit einem „väterlichen Herzen“ vor. Jeder dieser Überlegungen von Papst Franziskus verdiente es hier behandelt zu werden. Aber lassen sie uns zu dem einfachen Worten zurückkehren: „Geht zu Josef“.

Die Verehrung des hl. Josefs

„In jedem Gebetbuch finden sich einige Gebete zum heiligen Josef. Jeden Mittwoch und vor allem während des gesamten Monats März, der traditionell ihm gewidmet ist, werden besondere Bittgebete an ihn gerichtet.“ (Patris corde 1)Indem die katholische Kirche den hl. Josef, den Bräutigam Mariens, zum Schutzpatron der katholischen Kirche erklärt, ruft sie uns auf, auch in Zeiten der Not – der geistigen Hungersnot – zum hl. Josef zu gehen und uns im Gebet seiner „zentralen Rolle in der Heilsgeschichte“ anzuvertrauen.

Joseph, der Sohn Israels und Josef, der Bräutigam Mariens

Im Psalm 105 werden wichtige Tatsachen aus dem Leben des alttestamentlichen Josephs zusammengefasst – Ps 105,22-26:

„Dann aber rief er (Gott) den Hunger ins Land, *
entzog ihnen allen Vorrat an Brot.
Doch hatte er ihnen einen Mann vorausgesandt: *
Josef wurde als Sklave verkauft.
Man spannte seine Füße in Fesseln *
und zwängte seinen Hals ins Eisen
bis zu der Zeit, als sein Wort sich erfüllte *
und der Spruch des HERRN ihm Recht gab.
Er sandte einen König, der ließ ihn frei, *
einen Herrscher der Völker, der ließ ihn heraus.
Er bestellte ihn zum Herrn über sein Haus, *
zum Herrscher über seinen ganzen Besitz,
damit er binde seine Fürsten durch seine Seele *
und Weisheit lehre seine Ältesten.“

So wie das ägyptische Volk bei Joseph, den Sohn Israels, dem obersten Minister Ägyptens, Nahrung suchte, geht Jesus zu Josef, den Gott über seinen eigenen Haushalt gesetzt hat, um die Notwendigkeiten des irdischen Lebens zu empfangen.

Die Beschreibung des gefesselten Joseph erinnert an die Bande der Sünde. Josef, der nicht wie Maria unbefleckt empfangen wurde, war in den Fesseln der Erbsünde gefangen, wie ein jeder von uns auch. Doch so wie der Pharao Joseph von seinen Fesseln befreite und ihn über das ganze Haus Ägyptens setzte, so befreite Gott Josef, den Bräutigam Mariens, von seiner Bande der Sünde und setzte ihn als Familienhaupt über die Heilige Familie ein.

Gott sorgt durch Josef für sein Volk, für seine Kirche

Gott der Vater versorgte durch Joseph, den Sohn Israels, das hungernde Volk Ägyptens und das Volk Israels mit Nahrung. Ebenso versorgte Gott der Vater durch Josef, den Bräutigam Mariens, die irdischen Lebensbedürfnisse von Jesus und Maria.

Wenn Gott der Vater erfreut war, seinen Sohn Jesus durch den hl. Josef zu versorgen, können wir sicher sein, dass es uns an nichts mangeln wird, wenn wir uns auch an den hl. Josef als Gottes treuen Verwalter wenden, ist doch die Kirche der fortlebende Christus.

Gehen wir in Zeiten der Not zu Josef. Möge sich der hl. Josef auch heute als Schutzpatron der Kirche erweisen, der die Kirche in ihrer geistigen Hungersnot nährt. – „Geht zu Josef!“

So endet der Papst sein Schreiben mit einem Gebet: „So wollen wir nun vom heiligen Josef die Gnade aller Gnaden erflehen – unsere Bekehrung. Zu ihm lasst uns beten:

Sei gegrüßt, du Beschützer des Erlösers
und Bräutigam der Jungfrau Maria.
Dir hat Gott seinen Sohn anvertraut,
auf dich setzte Maria ihr Vertrauen,
bei dir ist Christus zum Mann herangewachsen.

O heiliger Josef, erweise dich auch uns als Vater,
und führe uns auf unserem Lebensweg.
Erwirke uns Gnade, Barmherzigkeit und Mut,
und beschütze uns vor allem Bösen. Amen.“ (Patris corde, Schluss)