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© Stefan Stratmann

Machen wir es dem heiligen Josef gleich!

Liebe Schwestern und Brüder!

In diesem Advent 2021 endet das von Papst Franziskus ausgerufene Jahr des heiligen Josef. Anlässlich des 150. Jahrestages der Erhebung des heiligen Josef zum Schutzpatron der ganzen Kirche, wollte Papst Franziskus dieses Jahr mit der ganzen Kirche feiern. Sein dazu veröffentlichtes Apostolische Schreiben „Patris corde“ (PC) beginnt mit den schönen Worten „Mit väterlichem Herzen (patris corde) liebte Josef Jesus“ (PC 1). 

In diesen Tagen des Advents bereiten wir uns auf das Weihnachtsfest vor, das Fest der Menschwerdung unseres Gottes in seinem Sohn Jesus Christus. Staunend werden wir in der Heiligen Nacht vor der Krippe stehen. Wir betrachten dieses große Geheimnis ehrfurchtsvoll, fasziniert von diesem göttlichen Heilsplan zur Rettung der Menschen. Wir werden singen: „Christ der Retter ist da!“  Neben der Gottesmutter Maria finden wir immer wieder auch im Stall von Bethlehem den heiligen Josef, der sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern immer wieder dezent zur Seite tritt, aber trotzdem dabei ist.

Was wäre geschehen, wenn …

Haben wir uns schon einmal gefragt: Was wäre eigentlich geschehen, wenn der heilige Josef nicht voller Besonnenheit gehandelt hätte? Als er die Schwangerschaft seiner Verlobten Maria bemerkte, hätte er auch impulsiv und hitzig reagieren können.

Josef „hatte den Mut, vor dem Gesetz die Rolle des Vaters Jesu zu übernehmen, und er gab ihm den vom Engel geoffenbarten Namen: »Ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen« (Mt 1,21).“ (PC 1)

In der Heiligen Schrift, der Bibel, wird Josef als ein „schweigsamer Mann“ dargestellt. Nicht mit Worten, sondern durch sein Leben spricht er zu uns. Sein Leben, das beeindruckender und sprechender ist als Worte je sein können. Er rät uns es ihm gleich zu tun, das zu tun, was er getan hat. 

1. Rat: Nehmt Maria auf in euer Leben!

Josef nahm Maria zu sich, im Gehorsam gegen Gott, der ihm durch den Engel verkünden ließ: „… fürchte dich nicht, Maria … zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet ist vom Heiligen Geist.“ (Mt 1,20).   

Er nimmt Maria zu sich, um zu dienen – zu helfen – zu schützen und dies mit ganzer Kraft – ganzem Mut – ganzer Hingabe und Liebe des Herzens.

Maria, die in ihrem Schoß den Heiland der Welt trägt, hat durch ihr Ja-Wort gegenüber dem Wort Gottes, Gott selbst Raum in ihrem Leben gegeben. Sie ist der Anfang, die Pforte für die Ankunft des Sohnes Gottes bei uns Menschen. Dies galt damals wie heute. 

Wenn wir es dem heiligen Josef gleichtun und Maria als unsere himmlische Mutter in unser Leben hineinnehmen, dann nehmen wir den göttlichen Sohn auf, der so auch unser Heiland und Retter werden kann. 

2. Rat: Nehmt Maria mit auf eure Wege!

Von Gott bekommt Josef immer wieder den Auftrag „Maria und das Kind“ zu nehmen und sich auf den Weg zu machen.

Es ist der Weg ins Dunkel. Der Weg in die Ungewissheit, was sie in Bethlehem erwarten wird; die Flucht nach Ägypten, als Zeuge des Kindermordes und der Wucht der brutalen Ungerechtigkeit in der Welt. An diesen Wegen könnte man an Gott irre werden und – im Extremfall – sogar den Glauben verlieren. Doch Josef hält sich in diesen dunklen Situationen an dem Glauben Mariens. Er kommt durch diese Prüfungen und sie werden für ihn zu Wegen der Erfahrung Gottes, der Erfahrung seiner Nähe und Fürsorge. Die Erfahrung des Apostels Paulus wird auch für ihn zu einer festen Glaubensüberzeugung: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht.“ (Röm 8,28)

Anschließend führt der Weg in den Alltag, zurück nach Nazareth. Dorthin, wo alles so alltäglich ist, wie bei uns: die täglichen Sorgen und Freuden – die Spannungen und Enttäuschungen – das Einerlei und die Sinnlosigkeit – die Frustration – Menschen, die einem auf die Nerven gehen – dort wo wir auch Krankheit und Tod erleben. Wenn Glauben heißt mit Gott in Fühlung, in Kontakt zu bleiben, dann wie durch einen Vorhang hindurch. Manchmal ist diese auch in einer dunklen Nacht, in einer schweren Situation. Maria wird uns dabei helfen Gott zu erkennen und zu erfahren in den alltäglichen Dingen, in den Begegnungen, in den Ereignissen, auch in Leid, Krankheit und Sterben. „Danket dem HERRN, denn er ist gut, / denn seine Huld währt ewig!“ (1 Chr 16,34)

3. Rat: Nehmt Teil an der Sorge Mariens!

In der Heiligen Schrift hören wir zum letzten Mal vom heiligen Josef, als er zusammen mit Maria den zwölfjährigen „mit Schmerzen gesucht“ (Lk 2, 48) hat. Der Sohn Gottes mutet Maria und Josef diesen Schmerz zu, um sie in die NEUE Gottes-Familie aufzunehmen. Nicht auf die Abstammung, sondern auf die Bindung des Glaubens kommt es jetzt an. Dieser Schmerz sollte in ihnen die Sehnsucht wachrufen, den Sohn Gottes auf eine neue geistige Art und Weise zu suchen und zu finden. – Es ist der Schmerz Jesus Christus, den Sohn Gottes verloren zu haben. 

Wer empfindet diesen Schmerz HEUTE? – Den Schmerz darüber, dass wir Christus nicht mehr finden, in unserer modernen Gesellschaft, bei Bekannten und Verwandten, in unseren Dörfern und Städten. Den Schmerz darüber, dass Christus nicht mehr vermisst wird, dass Christus nicht mehr gesucht wird. 

Dieser Schmerz muss zum Geburtsschmerz werden für eine neue Verkündigung des Glaubens, für eine neue Verkündigung Jesu Christi – die wir Evangelisierung nennen. Ohne diesen Schmerz gibt es nicht den Wunsch andere Menschen zu Jesus Christus zu führen.

Auf dem Weg!

Machen wir uns auf den Weg in diesem Advent, auf das Fest der Geburt des göttlichen Kindes zu, um Christus zu suchen – um Christus zu finden – um Christus neu heimisch zu machen in unserer modernen Welt, in unseren Häusern und Familien. 

Folgen wir dem Rat des heiligen Josef – machen wir es wie er es getan hat: „Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte. Und nahm seine Frau zu sich.“ (Mt 1,24)

Dies wünsche ich Ihnen an diesem Weihnachtsfest und alle Tage ihres Lebens – auch im kommenden neuen Jahr 2022.  

Gerade hier am Wallfahrtsort Kleinenberg haben wir die besondere Gnade Maria als die „Helferin vom Berge“ in unser Leben aufzunehmen. Mit Maria nehmen wir das „Göttliche Kind“, unseren Retter Jesus Christus. 

Das wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie von ganzem Herzen.

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