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Madonna von Stalingrad – Weihnachtsgruß 2020

„Weihnachten 1942. Die Rote Armee hatte Stalingrad schon einen Monat eingekesselt. -30 Grad, -40 Grad; es fehlte den Soldaten der 6. Armee der Wehrmacht an Vorräten, die Versorgungsflüge kamen kaum durch. An Heiligabend gab es eine kleine Feier. Der Kommandant hielt eine Ansprache, man sang «Stille Nacht» und «Es ist ein Ros entsprungen». Und der Truppenarzt Kurt Reuber, zugleich ein evangelischer Pastor, enthüllte eine Kohlezeichnung.“ 1

Liebe Schwestern und Brüder!
Menschen in schwierigen sogar ausweglosen Situationen damals !!! und auch heute ??? Für viele wird in diesem Jahr die Zeit des Advents und das Weihnachtsfest nicht so sein wie in all den letzen Jahren, man spricht sogar vom „härtesten Weihnachten“ nach dem 2. Weltkrieg.

Im Kessel von Stalingrad

„In einem Unterstand im Kessel von Stalingrad zeichnete der evangelische Pastor und Arzt Kurt Reuber mit Holzkohle ein 105 mal 80 Zentimeter großes Bild auf die Rückseite einer russischen Landkarte. Sein Bild zeigt eine sitzende Frauengestalt, die ähnlich einer Schutzmantelmadonna ein Kind unter ihrem Mantel birgt. Reuber versah die Zeichnung mit der Umschrift «1942 Weihnachten im Kessel – Festung Stalingrad – Licht, Leben, Liebe».“ 2

„Er selbst deutete die Zeichnung in einem Brief an seine Frau: «Das Bild ist so: Kind und Mutterkopf zueinandergeneigt, von einem großen Tuch umschlossen, Geborgenheit und Umschließung von Mutter und Kind. Mir kamen die johanneischen Worte: Licht, Leben, Liebe. Was soll ich dazu noch sagen? Wenn man unsere Lage bedenkt, in der Dunkelheit, Tod und Hass umgehen – und unsere Sehnsucht nach Licht, Leben, Liebe, die so unendlich groß ist in jedem von uns!». 2

Beschränkungen und Entbehrungen

Sicherlich sind wir alle mehr oder weniger äußerlichen Beschränkungen und Entbehrungen unterworfen in diesem Jahr und in unserem ganzen Leben. Aber wie sieht es mit unserem „inneren Menschen“ aus? Worauf lenke ich meinen Blick? Was bestimmt mich und mein Leben?

Paulus sagt uns: „Wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert. Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare blicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig.“ (2 Kor 4,16-18)

Eine wichtige Botschaft des Advents sind deshalb die Worte Jesu am Ende des Lukas-Evangeliums: „Richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“ (Lk 21,28)

Der Blick auf das „Göttliche Kind“

Richten wir unsere Augen auf das „Göttliche Kind“, auf den zu uns kommenden und längst schon bei uns seienden Heiland und Retter, unseren Herrn Jesus Christus. ER ist „das Licht der Welt“ (Joh. 8,12). ER ist das „das Leben“ (Joh11,25; 14,6). ER ist das Geschenk der Weihnacht, das Geschenk der Gnade. „Sie ist wie die göttliche Liebe, die Liebe, die das Leben verwandelt, die Geschichte erneuert, vom Bösen befreit, Frieden und Freude einflößt. Heute Nacht hat sich uns die Liebe Gottes gezeigt: Sie ist Jesus. In Jesus hat sich der Höchste klein gemacht, um von uns geliebt zu werden. In Jesus hat sich Gott zum Kind gemacht, um sich von uns umarmen zu lassen.“ (Papst Franziskus, Predigt in der Christmette 24.12.2019)

„Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? (…) Doch in alldem tragen wir einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: (…) weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8,35-39)

Empfangen wir IHN und vertrauen wir uns IHM an, der menschgewordenen Liebe Gottes, dann wird „Licht, Leben, Liebe“ uns erfüllen auch an diesem Weihnachtsfest und alle Tage unseres Leben – auch im kommenden neuen Jahr 2021.

Gerade hier in Kleinenberg möchte uns Maria als die „Helferin vom Berge“ unter ihren mütterlichen Schutzmantel bergen und uns das „Göttliche Kind“, unseren Retter zeigen, damit wir unsere Augen auf IHN richten und von IHM die Fülle des Lebens empfangen.

Das wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie von ganzem Herzen.

Ihr

Pastor Stefan Stratmann

 

Die heilige Nacht

Dies ist die Nacht, da mir erschienen
Des großen Gottes Freundlichkeit;
Das Kind, dem alle Engel dienen,
Bringt Licht in meine Dunkelheit;
Und dieses Welt- und Himmelslicht
Weicht hunderttausend Sonnen nicht.

Lass dich erleuchten, meine Seele,
Versäume nicht den Gnadenschein!
Der Glanz in dieser kleinen Höhle
Streckt sich in aller Welt hinein;
Es treibet weg der Höllen Macht,
Die Sünden-, Kreuz- und Todesnacht.

In diesem Lichte kannst du sehen
Das Licht der klaren Seligkeit:
Wenn Sterne, Sonn’ und Mond vergehen,
Vielleicht noch in gar kurzer Zeit,
Wird dieses Licht mit seinem Schein
Dein Himmel und dein alles sein.

Lass nur indessen helle scheinen
Dein Glaubens- und dein Liebeslicht;
Mit Gott musst du es treulich meinen,
Sonst hilft dir diese Sonne nicht:
Willst du genießen diesen Schein,
So darfst du nicht mehr dunkel sein.

Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne,
Bestrahle mich mit deiner Gunst!
Dein Licht sei meine Weihnachtswonne
Und lehre mich die Weihnachtskunst,
Wie ich im Lichte wandeln soll
Und sei des Weihnachtsglanzes voll.

Kaspar Friedrich Nachtenhöfer
(1624-1685), Kirchenlieddichter

 


Quellen:
1) Neumann, Felix; „Die Madonna von Stalingrad“; katholisch.de vom 20. Dez 2017
2) Grulich, Rudolf; „Eine moderne Ikone“; Die Tagespost vom 22. Dez 2017